Meine Erfahrungsberichte
Wie von Triumphator gebeten, stelle ich Euch hier mal zwei ausführliche Berichte zum Leapmotor B10 zur Verfügung, die ich bereits auf unserem "Heimatforum" veröffentlicht hatte.
Vielleicht ist das ja für den einen oder anderen von Interesse …?!
Erste Er-Fahrung
Nach ca. 2.500 Kilometern hatte ich meinen B10 sowohl auf der Kurz- (ca. 23%), Mittel- (ca. 17%) als auch Langstrecke (ca. 60%) getestet und konnte folgendes berichten:
- Durchschnittsverbrauch: Dieser hat sich bei der für mich normalen Fahrweise (zügige Beschleunigung unter Einhaltung der Verkehrsregeln) bei meinem B10 in den letzten 6 Wochen bei 21.8 kWh eingependelt. Die Kurzstrecken kommen dabei mit einem Verbrauch von etwa 16 kWh am besten weg. Mittel- und Langstrecken (mit überwiegend Autobahn) verbrauchen dahingegen gerne auch mal 23 bis 26 kWh.
- Ladeverhalten: Wie hier im Forum schon mehrfach besprochen, ist das stark vom SoC und der Batterie- bzw. Aussentemperatur abhängig. Laden mit über 150 kWh bei einem SoC unter 25% ist möglich, aber die Ladekurve flacht bis 80% dann sukzessive bis unter 80 kWh ab und lädt die letzten 20 % teilweise nur noch mit 25 kWh oder weniger. In der Praxis scheint es mir für die Langstreckenplanung (Autobahn) daher sinnvoll, Abschnitte zwischen 200 und 250 km zu wählen, um ein Optimum zwischen Fahr- und Ladezeiten zu erzielen - siehe "Berlinfahrtbericht" unten. Die Planung mit ABRP ist da noch nicht ganz optimal, da es anscheinend noch keine direkte Live-Datenverknüpfung von Leapmotor dazu gibt und die Verbrauchswerte beim Fahren nicht dynamisch und eher zu hoch angesetzt werden. Beim Laden zu Hause an der Wallbox bzw. "an der Laterne" zieht der B10 an einem Ladepunkt mit 11 kWh immerhin noch relativ konstant mit knapp 10 kWh (zeigt in der App dahingegen aber nur 9.2 kWh an), womit eine Komplettladung über Nacht in jedem Fall möglich ist.
- Fazit: Normales Reisen ist mit dem B10 auf jeden Fall auch zu weiter entfernten Zielen möglich, da er selbst bei "dynamischer" Fahrweise Teilstrecken mit mehr als 300 km ohne Zwischenstops zurücklegen kann. Für das tägliche Pendeln und/oder Einkäufe mit Kurzstrecken, die oft die 30 km-Marke nicht überschreiten, kommt der B10 wahrscheinlich auch mit ein- oder zweimal wöchentlichem Aufladen hin.
Mein Berlinfahrtbericht:
Um den B10 unter realen Bedingungen einem Test zu unterziehen, habe ich einen Kurztrip nach Berlin gemacht. Die komplette Strecke mit Abholung meines Freundes und ungeplanter Stauumfahrung wegen Vollsperrung der A9 (Höhe Auma-Weidatal) auf der Hinfahrt betrug dabei 1.746 km. Die Rückfahrt haben wir dann lieber über Thüringen und Würzburg (A4 - A71 - A81) gemacht und dadurch einiges an Kilometern gespart. Die zusätzlichen Kilometer - eigentlich sind es von mir nach Berlin ja "nur" etwa 750 bis 780, je nach Strecke - sind einigen zusätzlichen Einkaufs- und Besuchsfahrten in Berlin geschuldet. Die Aufladung auf 100% zu Hause an der Wallbox oder in Berlin vor der Abfahrt habe ich weiter unten nicht berücksichtigt.
Mein Freund, der ein eingefleischter Benzin-Junkie ist, wurde angenehm überrascht. Durchschnittlich waren wir mit Tempo 130 unterwegs und die drei (geplanten) Ladestops kamen ihm gar nicht lange vor, da er sich sowieso jeweils frisch machen und etwas Lungenpflege betreiben musste. Auf der Hinfahrt haben wir dann wegen des Staus (fast 90 Minuten Stop-and-Go, dank OnePedal aber relativ stressfrei) und der anschliessenden Umfahrung, bei unserer letzten geplanten Ladestation in Bitterfeld/Wolfen eine längere Essenspause gemacht, hatten aber dort dann trotz Wartens wegen einer defekten Ladesäule die insgesamt schnellste Aufladezeit.
Ladezeiten auf der Hinfahrt: (1) 40 Minuten für 44 kWh inkl. Toilettenpause, Kaffee, Brötchen und Salat - (2) 30 Minuten für 45 kWh inkl. Toilettenpause - (3) 28 Minuten für 47 kWh inkl. BurgerKing
Die Rückfahrt über Thüringen verlief dann deutlich glatter, ohne Stau und unnötige Wartezeiten. Da wir uns bei Würzburg für die Strecke quer durch die Stadt entschieden, konnten wir sogar noch einige Kilometer sparen. Bei den beiden Ladestops ohne Gastronomisches Angebot (1 + 3) habe ich meinem Freund dann mal die Vorteile eines grossen Zentraldisplays mit Internetanschluss vermittelt und die Zeiten vergingen ohne Langeweile. Zusätzlich nutzte ich die Gelegenheit (und mein wachsendes. Zutrauen zu den angezeigten dynamischen Verbrauchswerten), auch mal längere Strecken mit Tempo 150 zu fahren und zum Ende hin sogar einige zügige Überholmanöver auf der A5 zu absolvieren, wo einige "Spritsparer" anscheinend der Meinung waren, gleich auf allen drei Spuren ein Tempolimit einführen zu müssen … ![]()
Ladezeiten auf der Rückfahrt: (1) 36 Minuten für 42 kWh - (2) 46 Minuten für 54 kWh inkl. Mittagspause bei McDonalds - (3) 32 Minuten für 46 kWh
Insgesamt haben beide Fahrten mit Pausen-/Ladezeiten (ohne Stau) jeweils durchschnittlich knapp 9 Stunden gedauert und uns insgesamt 181,56 € gekostet.
Vergleicht man das mit der entsprechenden Bahnreise, die mit An- und Abfahrt an den Bahnhöfen (Parkplatzsuche, Mietwagen) etwa knapp 8 Stunden bräuchte und pro Person in der 2. Klasse inklusive Platzreservierung im Super-Sparpreis bei gleichen Reisezeiten aktuell ca. 181 € kosten würde, ist die Entscheidung, ob ich auch meine nächste Langstreckenfahrt mit dem B10 machen werde, eigentlich nicht mehr schwer.
Möglicherweise hat man im Zug etwas weniger Stress … wenn man wenig Gepäck hat, alle Anschlüsse klappen und es keine Verspätungen mehr gibt. ![]()
Zweite Er-Fahrung
Die Statistik
Neben den ganzen Daten, die im Heimatforum (s.o.) in den Wiki-Statistiken landen, will ich hier mal ein kurzes Schlaglicht auf meinen aktuellen Er-Fahrungsstand werfen und damit hoffentlich mithelfen, das Bild über einen "Alltag mit dem B10" (falls es so etwas überhaupt gibt), etwas abzurunden.
Der Durchschnittsverbrauch hatte sich in den letzten Wochen irgendwo bei 17.8 kWh auf 100 Kilometer eingependelt, konnte aber durch die neuerliche Langstreckenfahrt nach Berlin (siehe weiter unten) mit überwiegend schnellerem Fahren auf der Autobahn "endlich" wieder etwas nach oben korrigiert werden.
Trotzdem bin ich mit dem Verbrauch absolut zufrieden und könnte mir (im Moment) keine preisbewußtere und entspanntere Möglichkeit vorstellen, um solche Strecken zu bewältigen.
Roadtrip No. 2
Wie bereits angedeutet, ging es mal wieder nach Berlin. Die Hinfahrt mit Abholung der "ganz grossen" Tochter in Annweiler trug 839 zusätzliche Kilometer zur kumulativen Fahrleistung bei, der Rückweg dann - etwas besser geplant und zeitlich kürzer - weitere 809 Kilometer.
Geplant wurde alles mit ABRP am Rechner zu Hause, jeweils mit Fahrtabschnitten zwischen 200 und 250 Kilometern, wobei an den Start- und Zielpunkten jeweils mit 100 % gestartet werden konnte und eine Reserve von ca. 15% am Ziel vorgegeben war. Gerade in Berlin kann einem das mit den ganzen PopUp-Baustellen helfen, deutlich entspannter am Ziel anzukommen.
Grundsätzlich musste ich mich beim Fahren nicht einschränken. Selbst über weitere Strecken - im Schnitt 50 bis 100 km - waren Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h mit aktiviertem ACC/LCC oder selbst "engagierte Überholmanöver" mit 175 km/h auf 5 bis 10 Kilometer kein Problem. Die geplanten Ladepunkte wurden dank der konservativen Berechnung von ABRP (ohne Live-Daten) immer vor dem kalkulierten SoC erreicht. Und die vergleichend Kontrolle in der Anzeige (Apple CarPlay) zwischen ABRP-SoC und tatsächlichem SoC tat ein übriges, um meine entspannte (sorglose?) Fahrweise zu bestätigen.
Lade-Er-Fahrungen
Wo möglich, habe ich zum Ende des Aufladen Ladekurve und Daten dokumentiert.
Leider funktionierte das nicht in jedem Fall. Insbesondere das Ad-Hoc-Laden bei Vattenfall in Berlin scheint den Nachteil zu haben, dass man die Daten der Ladesitzung nur während und nicht mehr nach Abschluss des Ladens abrufen kann. Im Browser (oder der InCharge-App ohne Anmeldung) wird zwar der Ladevorgangscode angezeigt aber anschliessend hat man anscheinend keine Möglichkeit, ihn auch zu verwenden, um die Ladevorgänge zu dokumentieren. Selbst auf der Abbuchung (über ApplePay) sind keine Referenzdaten mehr erkennbar.
Aber bei 0,4399 € am 360 kW-Lader fragt man da nicht lange nach, lädt schnell voll, während man bei Netto einkauft und freut sich …
Zusammenfassung
Trotz zweier Staus auf der Hinfahrt und der durchaus langen Fahrtzeit von Tür zu Tür (inklusive Abholung-Umweg über Annweiler) waren die 12:30 Stunden Hinfahrt bereits völlig entspannt zu bewältigen. Die Rückfahrt am Sonntag verlief dann mit insgesamt 9:45 Stunden noch etwas stressfreier, wenn das überhaupt möglich ist.
Ein Fahrerwechsel fand zwar für jeweils einen Fahrtabschnitt sowohl auf der Hin- als auch Rückfahrt statt, wäre aber aufgrund der gut genutzten Pausen zwischen 18 und 47 Minuten nicht zwingend nötig gewesen und dienten eher der Überzeugungsmöglichkeit einer "sportlichen Diesel-Maus", die von ihrem mehr als 20 jähre altem 3er-BMW wegen des "Fahrgefühls" einfach nicht loskommt. Aber da werden wir wohl auf den B05 Ultra warten müssen, der gerade auf der AlfaRomeo-Testsrecke für die EU konfiguriert wird, bevor es gegen solche "Miss-Feelings"ein Heilmittel gibt …
P.S. Fast hätte ich es vergessen (oder unterschlagen?): Nach Abschluss der letzten Woche sah der Durchschnittsverbrauch natürlich mit 19,7 kWh pro 100 Kilometer deutlich anders aus als noch zu Beginn der Fahrt.